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Samstag, 2. Januar 2016

Sind wir dem Islam gewachsen?

Die klügsten Köpfe der katholischen Kirche seien häufig genug bei den Jesuiten anzutreffen, behauptet DIE WELT in ihrer heutigen Ausgabe. Da ist es sicher kein Zufall, dass ich ausgerechnet heute drei lesenswerte Beiträge von Jesuitenpatres im Netz gefunden habe, die ich euch hier vorstellen möchte:


Sind wir dem Islam gewachsen?
Besorgnis erfüllt viele Bürger wegen der unkontrollierten
Einwanderung von einer Million Muslime 2015
Der erste stammt von Pater Eberhard von Gemmingen und ist in der Süddeutschen Zeitung zu finden. Er stellt Überlegungen an, weshalb sich Schüler und Kultusministerien auch heute noch mit Jesus von Nazareth beschäftigen sollten: Nur durch sein Erbe lasse sich die Geschichte unseres Kontinents verstehen. Das christliche Erbe sei daher nicht nur ein Thema für den Religionsunterricht: «Derzeit macht Mohammed in Europa Karriere. Wir sollen ihn nicht mit Waffen empfangen, sondern mit Argumenten und mit Gedankenfreiheit. Was hätten Voltaire, Kant und Hegel zu tun gehabt ohne den jungen Mann aus Galiläa, mit dem sie einst ringen mussten? Die europäische Philosophie und Geistesgeschichte hätten ohne ihn wenig Denkstoff gehabt und ihre Denker hätten weniger Folianten produzieren können. Und was hätten wir in die Zentren von Köln, Paris und Rom gestellt ohne den Sohn eines Bauhandwerkers aus Galiläa?... Könnten wir nicht mal Adolf Hitler, Martin Luther und Johann Wolfgang von Goethe ein wenig Lernzeit wegnehmen und sie dem Zimmermannssohn aus Nazareth widmen? Hat er nicht auch dafür gesorgt, dass wir einmal in der Woche wirklich frei haben, dass dann Glocken über das Land schallen, dass Weihnachten, Ostern und Pfingsten Ferien sind? Auch in den Kultusministerien. Schön, dass wir jetzt „Mein Kampf“ lesen dürfen. Aber wäre es nicht spannender, die Quellen unserer Verfassung in jenem großen Buch zu suchen, das aus dem Land kommt, wo nach einem alten Versprechen „Milch und Honig“ fließen könnten, wo aber noch zwei Stämme des Herrn miteinander ringen.« In einem Europa, das seine christlichen Wurzeln immer mehr vergisst, wäre das eine lohnende Aufgabe.
Pater Eckhard Bieger ist überzeugt: «2016 gilt weiter: Der Terror ist religiös«. Er meint, im Rückblick auf die Pariser Attentate wäre ein kritischer Blick des Westens auf sich selbst lohnend. Es sei nicht mehr länger möglich zu behaupten, der Terror hätte nichts mit dem Islam zu tun. Eine Kultur des Dialogs reiche nicht aus, um sich mit dem Gewaltphänomen auseinanderzusetzen. Die Christenheit sei auf diesem Gebiet realitätsfremd: «Welche christlichen Prediger erklären den Gottesdienstbesuchern, dass der Unterschied zum Islam nicht in der Verschleierung oder der Burka, in der Geltung der Scharia oder anderen kulturellen Ausdrucksformen besteht, sondern im Gottesbild. Unter theologischen Gesichtspunkten ist der Islam nichts anderes als eine arianische Form der Gottesferne. Gott ist nicht Mensch geworden, sondern thront in einer fernen Welt. Jesus ist auch nicht am Kreuz gestorben, sondern ist mit Maria Magdalena nach Persien gegangen. Der Himmel ist nicht zuerst Erfahrung der Nähe Gottes. Das sexuelle Begehren bleibt deshalb die höchste Erfahrung und wird endlich erfüllt. Die verwaschene Form des europäischen Christentums ist offensichtlich nicht mehr in der Lage, den Dialog dort mit dem Islam zu suchen, wo es um die zentralen religiösen Fragen geht.«

Der Philosoph und Jesuit Michael Bord nimmt in DER WELT zum «Verfall der demokratischen Diskussionskultur« in unserem Land Stellung, sieht aber noch Hoffnung für unsere verweltlichten Kirchen: «Eine Zukunftschance gebe ich den Kirchen, wenn sie zu einem Ort werden, an dem Menschen Spiritualität, Tiefe und Hoffnung erfahren können. Das bedeutet, dass Priester, Pfarrerinnen, Gemeindereferenten vor allem selbst spirituelle Menschen sein müssen. Man muss spüren können, dass sie aus einer tiefen Verwurzelung in Gott heraus leben. Wir brauchen in den Kirchen keine verhinderten Politiker, keine Sozialarbeiter, keine Moralisten, sondern vor allem , spirituelle Menschen, die anderen Menschen helfen können, ihre eigene innere Heimat zu finden. Damit so etwas nicht fundamentalistisch und frömmlerisch wird, braucht es noch ein zweites: Bildung. Aus einer solchen tiefen Spiritualität verbunden mit geistiger Auseinandersetzung heraus entspringt dann auch alles kreative gesellschaftliche Engagement. Die Nächstenliebe ist dann eine Antwort, keine ethische Forderung.«