Seiten

Sonntag, 17. August 2014

"Kein Hass im Namen Gottes!"

Mehr als 800 deutsche und orientalische Christen haben heute in der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale für die verfolgten Christen und Minderheiten im Irak und in Syrien gebetet. Eingeladen hatten die Chaldäisch-Katholische Kirche, die Syrisch-Orthodoxe Kirche und die Apostolische Kirche des Ostens zusammen mit dem kath. Erzbistum Berlin.

Gebet und Solidarität für die Christen im Irak und Syrien

Der Gottesdienst wurde von dem kath. Weihbischof Matthias Heinrich gehalten. „Wo religiöse Minderheiten verfolgt werden, ist unser Gebet und unsere Solidarität nötig. Das gilt besonders für unsere verfolgten Schwestern und Brüder im Glauben, aber auch für Yeziden oder die gemäßigten Sunniten und Schiiten", so Weihbischof Heinrich. „Verfolgung und gar Tötung aufgrund einer Religionszugehörigkeit dürfen wir nicht einfach so hinnehmen.“
Schon Papst Franziskus hatte auf die verzweifelte Lage im Irak und Syrien hingewiesen: „Kinder, die an Durst und Hunger während der Flucht sterben; Frauen, die verschleppt werden; massakrierte Menschen; Gewalt jeder Art; Zerstörung des religiösen, geschichtlichen und kulturellen Erbes“. All dies „beleidigt Gott und die Menschheit schwer. Man verbreitet keinen Hass im Namen Gottes! Man führt keinen Krieg im Namen Gottes!“
Der Weihbischof verlas auch ein Grußwort von Kardinal Woelki, dem künftigen Kölner Erzbischof, der das Wüten der ISIS-Milizen als „grausam und menschenverachtend“ bezeichnete: „Glaube an Gott und Hass passen nicht zusammen. Der Glaube an Gott soll den Hass überwinden. Wo Gott wirkt, geschieht Frieden und Versöhnung.“
Die ganze Christenheit nehme Anteil am Schicksal der orientalischen Christen und müssten dies noch intensiver tun. Das erste sei das Gebet für die Opfer und Leidenden, doch zum Gebet müsse auch konkrete Hilfe kommen. Die deutsche Regierung forderte er auf, ihr „Eintreten für Menschenrechte, Religionsfreiheit und den Schutz von Minderheiten im Irak und Syrien zu intensivieren“.
Die Kirchen setzten sich für eine Aufnahme christlicher Iraker und Syrer in Deutschland ein. „Gleichermaßen möchten wir dazu beitragen, orientalischen Christen die Rückkehr in die angestammte Heimat und das Weiterleben dort zu ermöglichen und zu sichern“, so Woelki.
Nach dem Gottesdienst, in dem das Vaterunser in aramäisch (der Sprache Jesu) gebetet wurde, zogen mehrere tausend Menschen in einem Demonstrationszug zum Brandenburger Tor. Dort wies der koptische Bischof Damian darauf hin, dass die syrische Kirche eine der ältesten Kirchen der Erde sei, die heute noch die Sprache Jesu (aramäisch) spreche, doch „die Schweigsamkeit der westlichen Welt“ mache ihn regelrecht krank. Er könne nicht verstehen, wie man schweigen könne, wenn diese Kirche auf „die grausamste Art und Weise zerstört“ werde. Deshalb wende er sich an die Politiker Europas und der USA, alles Mögliche zum Schutz der Christen zu tun.
Die Christen hätten in diesen Ländern eine friedliche, konstruktive Mittelschicht gebildet, hieß es in einem Flugblatt der aramäisch sprechenden Gemeinden in Berlin: „Eine De-Christianisierung des Nahen und Mittleren Ostens und die Vertreibung und Vernichtung der Minderheiten aus diesen Regionen wird eine beispiellose weitere Destabilisierung und Radikalisierung der dortigen Gesellschaften zur Folge haben. Dies ist nicht nur eine Katastrophe für alle diese Minderheiten, sondern auch für die ganze freie Welt.“

Weitere Stimmen und Links zu dieser Aktion: Der Tagesspiegel hat berichtet, die "Berliner Abendschau" einen hervorragenden Bericht gesendet und Clemens Kurz einen kritischen Rückblick geschrieben im Blog des "Gebetskreises verfolgte Kirche".

Gerhard Lenz (für Gott in Berlin)
Die "Schweigsamkeit der westlichen Welt" mache ihn krank, erklärte Bischof Damian.

Samstag, 16. August 2014

Der helle Wahnsinn: 100-Meilen-Lauf!

Heute traute ich auf meiner morgendlichen Laufrunde meinen Augen nicht: Auf dem Berliner Mauerweg kamen mir viel mehr Läufer als sonst entgegen. Schien ein Volkslauf zu sein. Allerdings waren die meisten langsamer als ich im Training unterwegs. Ich versuchte zu entziffern, was über ihren Startnummern stand. Eine „100“ konnte ich erkennen. Ob die 100 km laufen? Das wäre ja Irrsinn! Doch einige von ihnen trugen ein Laufshirt mit der Aufschrift „Niemand hat die Absicht, 100 Meilen zu laufen!“
Hier wurde Peter Fechter ermordet (Zimmerstr.)
Der Spruch erinnerte mich an den damaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht, der im Juni 1961 Journalisten angelogen hatte: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ Und dann wurde sie am 13. August 1961 doch errichtet. Zum Glück ist das schon 53 Jahre her und die Mauer ist wie ein böser Spuk verschwunden.
Moment mal! 100 Meilen? Heißt das, die wollen mehr als 160 km laufen? Ich fragte einen der begleitenden Radfahrer, der gerade kurz gestoppt hatte. Er bestätigte die lange Distanz dieses Ultramarathonlaufes. Mit jedem Läufer, der mir entgegenkam, wuchs mein Respekt und ich grüßte sie mit einem Lächeln und einem erhobenen Daumen. Und das Wunder geschah: Durch diese Geste hellten sich ihre zum Teil angestrengt wirkenden Gesichter auf und sie lächelten zurück! Schon lange haben mich nicht mehr so viele Männer und Frauen angelächelt wie an diesem Morgen auf dem Mauerweg! Das beflügelte mich ebenfalls und so wurden aus meinen geplanten 10 km insgesamt 15,3 km. :-)
Während ich weiterlief, kam mir ein Vers aus der Laudes (dem Stundengebet der kath. Kirche) von heute in den Sinn: Wir Christen sollen als Lichter in dieser Welt leuchten (Philemon 2, 14/15). Nicht nur predigen und schon gar nicht die Menschen mit moralinsauren Vorschriften bombardieren, sondern uns von Christus lieben lassen und seine Liebe weiterschenken. Eigentlich ganz einfach und doch manchmal so schwer!
Doch zurück zum 100-Meilen-Lauf: Auch wenn ich nie an solch einer langen Distanz teilnehmen werde (höchstens auf dem Rad :-)), gefallen mir diese Volksläufe. Sie sind für mich wie ein Abbild unseres Lebens. Es kommt nicht darauf an, als erster ins Ziel zu kommen, sondern überhaupt das Ziel zu erreichen und seinen inneren Schweinehund dabei zu besiegen.
Was ist das Ziel unseres Lebens? Uns etwas leisten zu können, eine gute Altersvorsorge zu haben, gesund zu bleiben? Alles erstrebenswert, aber zu wenig. Schon morgen können all diese Ziele durch ein unvorhergesehenes Ereignis zunichte sein. Mein Ziel ist in der Bibel beschrieben: „Mit aller Kraft laufe ich darauf zu, um den Siegespreis zu gewinnen, das Leben in Gottes Herrlichkeit. Denn dazu hat uns Gott durch Jesus Christus berufen“ (Philipperbrief 3:14 HFA).
So ein Lauf kann ganz schön anstrengend sein und wir geraten oft in Gefahr, das Ziel aus den Augen zu verlieren oder aufgeben zu wollen. Wir Christen auf unserem Lebenslauf auch. Deshalb sollten wir uns immer wieder untereinander ermutigen und stützen. Das machen die Sportler auch.
Wenn du Ermutigung brauchst oder überhaupt nicht mehr weiter weißt, kannst du dich an unser E-Mail-Team wenden. Sie stehen dir (auch vertraulich) zur Seite.
Gerhard Lenz (für Gott in Berlin)
100-Meilen-Lauf: Jedes Jahr am Wochenende nach dem 13. August auf dem Berliner Mauerweg.

Samstag, 2. August 2014

"Grüß Gott" oder "Hallo"?

Wir sind zur Zeit wieder mal in Bayern. Eine Gegend, wie sie Gott kaum schöner schaffen konnte. Grüne Wiesen, Wälder, Seen und Berge. Alles, was man sich für einen Aktiv-Urlaub wünscht. Und auf Schritt und Tritt trifft man auf wundervolle Kirchen, kleine Kapellen oder Kreuze am Wegesrand. Alles Zeichen dafür, wie verbunden die Bayern mit ihrem Schöpfer waren und (zum Teil) noch sind.
Nicht mit dem Schwert, sondern mit dem Kreuz machte sich Christus die Erde untertan.
"Grüß Gott" oder "Hallo"?

Die Menschen begrüßen sich hier mit "Grüß Gott!“, eine verkürzte Form von "Grüße dich Gott!“ Das ist kein Befehl, sondern ein Segenswunsch und bedeutet eigentlich „Gott segne dich“.
Ähnlich ist es mit dem bayerischen Abschiedsgruß „bhüetdi' [füeti]“. Das ist die Kurzform von „Behüt dich Gott!“ Kann aber auch so viel bedeuten wie „Der Herr führe deine Wege“. Uns gefallen diese Grußformeln und wir machen sie uns im Urlaub gern zu eigen – verwenden sie aber auch (wenn es passt) in Berlin.
Dort wünschte man sich bis vor einigen Jahren gegenseitig eher einen „Guten Tag“ oder „Guten Morgen“. Auch dieser Gruß soll sich aus dem Wunsch "Gott gebe dir einen guten Tag" hergeleitet haben.
„Guten Morgen“ oder „Guten Tag“ hört man aber in Berlin und anderswo kaum noch. Es ist einem inhaltslosen „Hallo“ gewichen. Und dieses „Hallo“ geht mir gewaltig gegen den Strich, denn es sagt nichts aus. Eher macht man damit auf sich selbst aufmerksam: „Hallo, hier bin ich!“ Für mich ist dieses „Hallo“ Ausdruck einer egozentrischen Gesellschaft, die sich immer mehr von ihren christlichen Wurzeln entfernt.
Auf unserer Wanderung heute kamen uns zahlreiche Touristen entgegen. Wir schmetterten ihnen jedes Mal ein fröhliches „Grüß Gott!“ entgegen. Neun von zehn antworteten: „Hallo“. Die wenigsten haben dabei gelächelt. Mir egal. Ich werde meine Mitmenschen weiterhin mit einem Segenswunsch grüßen, auch wenn sie sich nicht bewusst sind, dass sie den Segen Gottes genauso dringend brauchen wie ich.
Gerhard Lenz für „Gott in Berlin“